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Charité-Studie beschreibt erstmals Farbseh-Pigmente in Aktion
Wie die Charité – Universitätsmedizin Berlin bekanntgibt, ist es Forschenden dort und an der Nanchang University nun erstmals gelungen, die molekulare Struktur aller drei menschlichen Farb-Opsine im aktiven Zustand darzustellen. Im Fachmagazin Science beschreiben sie, wie die drei Opsine auf jeweils bestimmte Lichtwellen reagieren und so das Farbsehen über die drei Grundfarben ermöglichen. Hier Auszüge aus der Pressemeldung:
Rund sechs Millionen Zapfen enthält ein menschliches
Auge. Sie kommen vor allem im zentralen Bereich der Netzhaut, der Fovea, vor
und sind neben dem Farbsehen auch für das räumliche und das scharfe Sehen bei
Tageslicht verantwortlich. Bei Dämmerlicht oder Dunkelheit übernehmen die
weiter außen liegenden Stäbchen, die aber nur Schwarz-Weiß-Sehen ermöglichen.
Ihr Photopigment ist das Rhodopsin, dessen Struktur schon seit 25 Jahren
bekannt ist.
Die Zapfen und ihre entsprechenden Opsine sind viel seltener als das Rhodopsin
und schwierig zu isolieren. „Man musste erst lernen, genügend Farb-Opsine in
Zellkulturen herzustellen, in den aktiven Zustand zu bringen, anschließend zu
isolieren und dann mit dem Elektronenmikroskop zu untersuchen“, erklärt Dr.
Patrick Scheerer, der 2008 als Doktorand am Institut für Medizinische Physik
und Biophysik der Charité wesentlich dazu beitrug, die Struktur des Rhodopsins
im aktiven Zustand aufzuklären. „Das war ein aufwändiger Prozess, und deshalb
hat es so lange gedauert, bis wir nun endlich auch die Farb-Opsine strukturell
beschreiben konnten.“ Patrick Scheerer leitet nun die Arbeitsgruppe
Strukturbiologie der zellulären Signalübertragung am selben Institut und ist
einer der beiden leitenden Autoren der aktuellen Publikation.
Alle drei Farb-Opsine enthalten, ebenso wie das Rhodopsin der Stäbchen, als
lichtempfindlichen Bestandteil das Vitamin-A-Derivat Retinal. Es ist jeweils
fest an das Opsin-Protein gebunden. Wird es durch Licht getroffen, klappt es
gewissermaßen an einer bestimmten Stelle um: Das eher gewinkelte 11-cis-Retinal
wird zum gestreckten all-trans-Retinal, verändert dadurch auch die Form des
Opsins selbst und versetzt es in den aktiven Zustand. Das aktivierte Opsin löst
eine biochemische Signalkette aus, die über Nervenreize vom Auge zum Gehirn
weitergeleitet und verarbeitet wird – und schließlich zur Farbwahrnehmung
führt.
„In diesem gemeinsamen Projekt wurden die drei Farb-Opsine aus Zellkulturen
isoliert und im aktiven Zustand, also an das all-trans-Retinal gekoppelt,
schnell auf ultratiefe Temperaturen heruntergekühlt, damit ihre Strukturen im
aktiven Zustand bleiben“, erklärt Patrick Scheerer das aufwändige Vorgehen.
Mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie ließen sich hochaufgelöste
zweidimensionale Aufnahmen im Ångström-Bereich (unter einem Nanometer)
erstellen und so einzelne Aminosäuren erkennen.
Aus diesen Aufnahmen konnten die Forschenden die detaillierte dreidimensionale
Struktur der Opsine rekonstruieren. „Dabei hat sich gezeigt, dass das Opsin,
das auf blaues Licht – also kurze Lichtwellen – reagiert, eher dem Rhodopsin
der Stäbchen ähnelt“, berichtet Patrick Scheerer. „Die Opsine für grünes
beziehungsweise rotes Licht, also mittel- beziehungsweise langwellige Reize,
unterscheiden sich davon deutlich. Insbesondere die Aminosäure-Umgebung des
jeweiligen Opsins um das Retinal herum variiert. Das erklärt, warum sie
unterschiedlich empfindlich auf die Lichtwellenlängen reagieren.“ So regt
farbiges Licht die verschiedenen Zapfen unterschiedlich stark an und ruft in
der Kombination und der komplexen Weiterverarbeitung das Farbempfinden im
Gehirn hervor.
Alle humanen Opsine gehören zur Proteinfamilie der sogenannten
G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCR). GPCR vermitteln die Wirkung zahlreicher
Hormone und Neurotransmitter und sind an einer Vielzahl wichtiger Vorgänge
beteiligt, darunter Entzündungsreaktionen, Appetitregulation und Wachstum.
Darüber hinaus spielen sie eine zentrale Rolle bei Sinneswahrnehmungen wie
Geruchs-, Geschmacks- und eben Lichtreizen. Der allererste GPCR, dessen
Struktur aufgeklärt werden konnte, war tatsächlich das Rhodopsin. Hier ist
Licht der Reiz, der das Retinal verändert und so den GPCR aktiviert. Längst
spielen die über 800 verschiedenen GPCR eine zentrale Rolle sowohl in der
medizinischen Anwendung als auch in der Entwicklung neuer Medikamente.
„Unsere Arbeit ist daher nicht nur wissenschaftlich interessant“, sagt Patrick
Scheerer. „Es gibt zahlreiche Mutationen in den Opsin-Genen, die mit
verschiedenen Augenkrankheiten oder Sehstörungen einhergehen. Wenn wir die
Struktur der Opsine nun besser kennen, können wir die Mutationen präziser
einordnen und ihre Auswirkungen besser verstehen.“
Die vollständige Pressemeldung kann aktuell unter folgendem Link bei idw-online.de abgerufen werden: https://idw-online.de/de/news873414
Hier auch die Quellangaben zur Fachveröffentlichung:
Peng Q et al. Cryogenic electron microscopy
structures of human cone visual pigments. Science
2026 Jun 25. doi: 10.1126/science.adz8141
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