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KGS: Sommer, Sonne, Sehstress? So bleiben die Augen auch im Urlaub entspannt

Ein Tunnel auf der Reiseroute, gleißendes Licht am Meer, Schatten in der Altstadt: Im Urlaub wechseln Licht und Sehsituationen ständig. Für die knapp 39 Millionen Brillentragenden in Deutschland wird die Reise damit zum Praxistest: Reicht die gewohnte Sehlösung für Straße, Stadt, Strand und Bewegung? Das Kuratorium Gutes Sehen (KGS) erklärt, worauf es unterwegs ankommt.

16. Juli 2026
KGS: Sommer, Sonne, Sehstress? So bleiben die Augen auch im Urlaub entspannt
KGS: Sommer, Sonne, Sehstress? So bleiben die Augen auch im Urlaub entspannt

Die Informationen des KGS richten sich vornehmlich an Endverbraucher. Aber auch Augenoptiker können diese für die Kundenkommunikation nutzen:

Drei von vier Menschen planen für dieses Jahr eine Urlaubsreise. Wer eine Sehkorrektion nutzt, braucht nicht nur „gute Sicht“ – die ist immer wichtig. Unterwegs geht es darum, dass die gewohnte Schärfe auch bei Blendung, schnellen Hell-Dunkel-Wechseln, spiegelnden Flächen, Wind, Hitze oder Bewegung erhalten bleibt. Genau daran zeigt sich, ob Brille, Sonnenbrille, Kontaktlinsen oder Sportbrille zur jeweiligen Situation passen.

Anreise: Gut sehen, auch wenn das Licht wechselt

Tunnel, nasser Asphalt, blendende Reflexe: Auf der Straße wechseln Licht und Kontraste oft innerhalb von Sekunden. Wer beim Fahren eine Sehkorrektion braucht, benötigt sie auch hinter getönten Gläsern. Sehr dunkle Gläser der Filterkategorie 4 gehören nicht ans Steuer. Starke Farbverfälschungen, insbesondere bei Rot und Grün, sind im Straßenverkehr problematisch. Sie können Ampeln, Bremslichter oder Verkehrszeichen verfälschen.

Eine Polarisation geht einen Schritt weiter als getönte Gläser: Sie mindert Reflexe, die etwa von nasser Straße oder hellen Fahrbahnoberflächen zurückgeworfen werden – und kann so gefährliche „Blindflug-Momente“ reduzieren.

Stadtbummel: Wenn das Brillenetui zum Dauergast wird

Eben noch Sonne auf dem Platz, dann eine schattige Gasse, später gedämpftes Licht im Museum: Wer zwischen Korrektions- und Sonnenbrille wechseln muss, hat das Etui schnell öfter in der Hand als den Stadtplan. Selbsttönende Gläser können für solche Tage hilfreich sein. Sie bleiben Korrektionsbrille und passen ihre Tönung an das Licht an: draußen dunkler, drinnen wieder heller, je nach Umgebung und UV-Einstrahlung unterschiedlich stark.

Welche Lösung passt, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben: Manche möchten möglichst wenig wechseln, andere bevorzugen eine separate Sonnenbrille in Sehstärke oder einen Sonnenclip.

Am Wasser: Wenn die Oberfläche zum Spiegel wird

Ein verlässlicher UV-Schutz ist im Freien unverzichtbar. Orientierung bieten die Kennzeichnungen UV400 und CE, meist am Bügel zu finden. Am Strand kommt zusätzliche Belastung hinzu: Trockener Sand kann rund 15 Prozent der UV-Strahlung zurückwerfen, Meeresschaum etwa 25 Prozent. Zudem halten große Fassungen und gebogene Shields seitlich einfallendes Licht besser ab.

Das Wasser reflektiert jedoch nicht nur UV-Strahlung: Das Glitzern auf der Oberfläche sieht zwar schön aus, kann aber stark blenden. Polarisierende Gläser filtern solche Spiegelungen. Die Wasseroberfläche wirkt ruhiger, der Blick reicht eher in die Tiefe, Kontraste und Farben der Umgebung erscheinen klarer. Eine normale Tönung kann das nicht leisten: Sie reduziert vor allem die Helligkeit des gesamten Bildes, filtert solche Reflexe aber nicht gezielt heraus.

Aktiv unterwegs: Freie Sicht, gut geschützt

Radtour, Wanderung, Beachvolleyball oder Stand-up-Paddling: Wer im Urlaub gern in Bewegung bleibt, kann von Kontaktlinsen profitieren. Sie ermöglichen ein freies Sichtfeld, beschlagen oder verrutschen nicht und lassen sich mit jeder Sonnenbrille kombinieren. Für Menschen mit Alterssichtigkeit gibt es auch Mehrstärken-Kontaktlinsen.

Eine Sonnenbrille bleibt trotzdem wichtig, auch wenn Kontaktlinsen einen UV-Filter besitzen. Denn sie schützen weder die gesamte Augenpartie noch vor seitlich einfallendem Licht, Wind, Sand oder starker Blendung.

Bei Sportarten mit Tempo, Wind oder Sturzrisiko reichen Kontaktlinsen oder eine normale Sonnen- oder Korrektionsbrille oft nicht aus. Dann kommt es zusätzlich auf sicheren Halt, bruchfeste Materialien, seitlichen Schutz und eine zur Sportart passende Korrektionslösung an. Beim Schwimmen gehören Kontaktlinsen unter eine dicht sitzende Schwimmbrille; alternativ kommt eine Schwimmbrille mit Sehstärke infrage.

Hitze, Sand und Sonnencreme: Wenn die Brille leidet

Nach einem langen Sommertag zeigt sich schnell, ob die Brille wirklich sitzt. Rutscht sie durch Schweiß oder Sonnencreme ständig von der Nase, hilft der Gang ins Augenoptikfachgeschäft eher als Dauer-Hochschieben. Besonders bei Gleitsichtgläsern ist das wichtig, weil sich mit der Position der Brille auch der Seheindruck verändern kann.

Wenn die Brille nach einem Strandbesuch verschmiert und sandig ist, dann gilt: Nicht trocken reinigen, sondern unter fließendem Wasser abspülen, damit Sand und Staub die Glasoberfläche nicht zerkratzen. Danach die Gläser mit Spülmittel und einem Brillenputztuch reinigen.

Die richtige Aufbewahrung zählt ebenfalls: In geparkten Autos kann die Innenraumtemperatur auf über 60 Grad steigen, einzelne Oberflächen können bis zu 80 Grad heiß werden. Brillen und Sonnenbrillen sollten deshalb nicht im Fahrzeug bleiben. Für Kontaktlinsen und Pflegemittel liegen empfohlene Temperaturen häufig bei höchstens 30 Grad.

Service-Check: Gut sehen im Urlaub

  1. Vor der Reise: Wenn noch Zeit ist, aktuelle Sehstärke und Sitz der Brille im Augenoptikfachgeschäft überprüfen lassen.
  2. Anreise: Beim Autofahren auf aktuelle Sehstärke, Blendschutz, Verkehrstauglichkeit und möglichst geringe Farbverfälschung achten. Sehr dunkle Tönungen der Kategorie 4 gehören nicht ans Steuer.
  3. Stadtbummel: Bei Wechseln zwischen Sonne, Schatten und Innenräumen können selbsttönende Gläser den ständigen Brillenwechsel reduzieren. Alternativen sind Sonnenbrillen in Sehstärke oder Sonnenclips.
  4. Wasser und Strand: UV-Schutz, seitliche Abschirmung und Reflexionen bedenken. Polarisierende Gläser mindern störende Spiegelungen auf Wasserflächen.
  5. Aktive Tage: Kontaktlinsen geben Bewegungsfreiheit, lassen freie Wahl bei der Sonnenbrille, ersetzen diese aber nicht. Bei Sport und Schwimmen auf geeigneten Augenschutz achten.
  6. Hitze: Brillen nicht im heißen Auto lassen. Kontaktlinsen und Pflegemittel nicht direkter Sonne oder Temperaturen über 30 Grad aussetzen.

Für Technikfans: Was im Brillenglas passiert

  • Tönung: Sie wirkt wie ein Dimmer für sichtbares Licht: Je dunkler die Farbe, desto weniger sichtbares Licht gelangt durch das Glas. Das reduziert Helligkeit und Blendung, sagt aber allein nichts über den UV-Schutz aus.
  • UV-Schutz: Spezielle UV-Filter im Brillenglas reduzieren ultraviolette Strahlung, bevor sie das Auge erreicht. Das funktioniert unabhängig von der Tönung: Auch klare Brillengläser können einen wirksamen UV-Schutz bieten.
  • Selbsttönung: Selbsttönende, also phototrope Gläser enthalten lichtempfindliche Moleküle. Unter Lichteinfluss verändert sich ihre Struktur. Das Glas wird dunkler, der Blendschutz steigt. Lässt der Lichtreiz nach, kehren die Moleküle in ihren Ausgangszustand zurück und das Glas hellt wieder auf.
  • Polarisation: Der Filter im Glas funktioniert vereinfacht wie eine feine Jalousie gegen störende Spiegelungen. Er schwächt Licht ab, das von glatten Flächen wie Wasser, nasser Straße oder Schnee zurückgeworfen wird. Dadurch blenden diese Flächen weniger, Details treten klarer hervor und Kontraste werden besser erkennbar.


Weiterführende Informationen

Quelle: Kuratorium Gutes Sehen (KGS): Bild asim alnamat via pexels.com

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