Keine Einträge vorhanden
Bürokratieabbau – ein Versprechen mit langer Warteschleife
Die
bürokratischen Anforderungen an Handwerksbetriebe sind in den vergangenen
Jahren stetig gewachsen und machen auch vor der Augenoptik nicht halt.
Dokumentationspflichten, Nachweise, Fristen und Kontrollen kosten Zeit, binden
Personal und sorgen in vielen Betrieben für Frust. Für kleinere Unternehmen
sind sie kaum noch zu stemmen, für alle anderen zumindest ein dauerhaftes
Ärgernis.

Denn nicht immer sind die Vorgaben aus Sicht der Praxis nachvollziehbar oder sinnvoll. Zeit und Geld kosten sie dennoch – Ressourcen, die im betrieblichen Alltag an anderer Stelle fehlen.
Ein
häufig genanntes Beispiel ist die Präqualifizierung (PQ). Jeder
Augenoptikbetrieb, der Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen werden
und zu deren Lasten Hilfsmittel abgeben und abrechnen möchte, benötigt eine
gültige Präqualifizierung.
Das Präqualifizierungsverfahren dient laut Gesetzgeber dazu, die grundsätzliche
Eignung eines Leistungserbringers anhand festgelegter Kriterien zu prüfen und
damit eine qualitativ hochwertige Versorgung der Versicherten sicherzustellen.
Durchgeführt wird die Präqualifizierung von sogenannten Präqualifizierungsstellen, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditiert sein müssen. Nach erfolgreicher Erst- oder Folgepräqualifizierung erhalten die Betriebe ein entsprechendes Zertifikat. Anschließend beginnt die gesetzlich vorgeschriebene Überwachung: In der Regel melden sich die Präqualifizierungsstellen nach etwa 20 und erneut nach 40 Monaten, um die Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung der Präqualifizierung zu überprüfen.
Gerade diese Folgepräqualifizierungen stoßen in der Praxis auf Kritik. Einige Augenoptikerinnen und Augenoptiker stellen den Aufwand inzwischen grundsätzlich infrage und überlegen, ob Nutzen und Kosten noch in einem angemessenen Verhältnis stehen.
Vor diesem Hintergrund hat die optikernetz.de-Redaktion eine Lesermeinung erreicht, die stellvertretend für viele Stimmen aus der Branche steht:
Lesermeinung: „Bitte die Präqualifizierung ersatzlos streichen“
Liebes Optikernetz-Team,
unsere Bundesregierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die überbordende Bürokratie abzubauen. Umgesetzt wurde bis jetzt fast nichts. Ein Beispiel ist die Präqualifizierung für die Krankenkassen.
Diese Kontrollen im Abstand von 18 Monaten werden – sofern sie nicht von der Innung durchgeführt werden – teilweise von fachfremden Personen vorgenommen, die nicht wissen, wie bestimmte Geräte aussehen oder welche alternativen Geräte eingesetzt werden können.
Die geforderte Ausstattung ist eine Mindestausstattung, ohne die ein Augenoptiker ohnehin nicht arbeiten kann und nicht konkurrenzfähig wäre. Ich glaube nicht, dass ein Betrieb nach einer Prüfung plötzlich Geräte verkauft.
Deshalb: Bitte die Präqualifizierung ersatzlos streichen. Ein einmaliger Qualifikationsnachweis bei Betriebseröffnung oder bei einem Betriebsleiterwechsel ist völlig ausreichend.
Genauso muss ein Kostenvoranschlag für die Krankenkasse kostenlos bleiben. Es kann nicht sein, dass man für eine App der Krankenkasse monatlich zahlen soll, nur um drei bis zehn Kostenvoranschläge pro Jahr einreichen zu können.
So wie die Bundesbürger seit 1978 auf das Lohn- und Einkommensteuerformular im Bierdeckelformat warten, werden wir Augenoptiker wohl weiter auf eine Deregulierung der Krankenkassenverordnungen warten.
Der Wunsch nach weniger Bürokratie im Handwerk ist groß, auch in der Augenoptik, das zeigt die Meinung unseres Lesers, der damit nicht allein steht. Gleichzeitig verweist der Gesetzgeber auf die Sicherstellung von Qualität und Versorgungssicherheit. Wo hier ein angemessenes Gleichgewicht liegt, ist Gegenstand anhaltender Diskussionen.
Die optikernetz.de-Redaktion hat sich mit der Lesermeinung an den
Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gewandt und um eine Einordnung
gebeten. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Ihr Draht zur Redaktion
Wir kommunizieren gern! Sie auch?
Fragen, Anregungen oder einfach mal so – rufen Sie uns an
oder schreiben Sie uns.
Newsletter abonnieren
Mit unseren Newslettern erhalten Sie genau die News, die Sie brauchen - kostenlos und direkt in Ihre Mailbox.




