20.02.2012 News
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16.02.2012 Leitartikel
Unter der Überschrift „Brille 24 – Tricksen bis die Konkurrenz kommt“ berichtet markt intern in seiner Aufgabe vom 08.02.2012 von einem Rechtstreit zwischen den beiden Internet-Brillen-Anbietern 4 Care AG (Kiel) und Brille 24 (Oldenburg) vor dem Landgericht Hamburg. Vordergründig – so markt intern – gehe es in dem Verfahren nur um einige Werbeaussagen von Brille 24, tatsächlich sei es jedoch ein Angriff auf das Geschäftsmodell von Brille 24 insgesamt. Das Geschäftsmodell von Brille 24 Brille 24 fertigt selbst keine Korrektionsbrillen an, sondern lässt diese von einer Gesellschaft in Hong Kong produzieren. Der Kunde bestellt bei Brille 24 auf der Internetseite und zahlt den dort angegebenen Kaufpreis. Die bestellte Brille wird in Asien hergestellt und direkt an den Kunden geliefert. Auch wenn die Kunden für die Brillen 39,90 Euro (zzgl. 5,-- Euro Versand) zahlen, so hat die Brille offiziell nur einen Wert von 21,90 Euro. Denn mit der in Asien gefertigten Brille erhält der Kunde zwei Rechnungen: eine über die Herstellung der Brille in Hong Kong über 21,90 Euro und eine über Dienstleistungen von Brille 24 über 18,-- Euro (zzgl. 5,-- Euro Versand). Und genau in dieser Rechnungssplittung sieht markt intern eine Trickserei bei der Einfuhrumsatzsteuer: Beim Import von Waren aus Asien fällt grundsätzlich Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 % des Warenwertes an. Dies gilt jedoch dann nicht, wenn die Importware weniger als 22,-- Euro – z. B. 21,90 Euro – wert ist. Mit Blick auf die von Brille 24 mit 18,-- Euro je Brille abgerechneten „Dienstleistungen“ kann man zumindest vermuten, der Warenwert werde absichtlich unter 22,-- Euro kalkuliert, dafür die Dienstleistung etwas höher, sodass am Ende Brille 24 den gewünschten Preis pro Brille erhält, ohne jedoch Einfuhrumsatzsteuer abführen zu müssen bzw. ohne dass die Kunden von Brille 24 Einfuhrumsatzsteuer bei Erhalt der Brille aus Fernost zahlen müssen. Die „Dienstleistungen“ von Brille 24Mit 18,-- Euro lässt sich Brille 24 drei Dienstleistungen bezahlen: 30-Tage-Rückgabe-Garantie (9,-- Euro), Kundenservice – z. B. Hotline und elektronischen Zahlungsverkehr – (4,-- Euro) und Erstellung eines Brillenpasses (5,-- Euro). Zunächst ist es erstaunlich, dass die 30-Tage-Rückgabe-Garantie mit 9,-- Euro einkalkuliert wird. Nach eigenen Angaben werden nur um die 5 % der über die Internetseite von Brille 24 vertriebenen Brillen zurück gegeben. Bei der Kalkulation der Garantie scheint hingegen Brille 24 von einer ganz anderen Rückgabequote ausgegangen zu sein. Nimmt man an, dass mit den 9,-- Euro tatsächlich die Kosten für die zurück gegebenen – und damit dann auch unbrauchbaren Brillen – abgedeckt werden sollen, so ist bei Brillen mit einem Wert von 21,90 Euro unter betriebswirtschaftlicher Betrachtung wohl eher von einer Rückgabequote von bis zu  40 % auszugehen - also acht Mal höher als nach eigenen Angaben der Fall. Auch 5,-- Euro für die Erstellung eines Brillenpasses zu kalkulieren, erscheint zumindest recht „sportlich“. Zumal der Internetkunde in aller Regel schon einen Brillenpass haben dürfte – ausgestellt vom stationären Augenoptiker, der die Refraktionsbestimmung durchgeführt hat. Dem stationären Augenoptiker jedenfalls wird es kaum gelingen, seinem Kunden 5,-- Euro für die Erstellung eines Brillenpasses abzuknöpfen. Die Angebote von Brille 24Überhaupt nicht nachzuvollziehen ist die Kalkulation von Brille 24 dann, wenn ihre Internetbrillen zum Angebotspreis von 34,90 Euro (statt 39,90 Euro) zzgl. Versand angeboten werden. In diesem Fall liegt der Warenwert unverändert bei 21,90 Euro. Der günstigere Preis ergibt sich für den Kunden nur durch eine Reduktion der Kosten für die Dienstleistung. Dies obwohl das Dienstleistungsangebot identisch bleibt. So ist insbesondere nicht ersichtlich, warum im Fall der reduzierten Brillen die Dienstleistungen für die Erstellung des Brillenpasses bzw. für die Einrichtung eines Kundenservices geringer sein sollte. Da sowohl die reduzierten als auch die nicht reduzierten Brillen jeweils einen Warenwert von 21,90 Euro haben, ist auch nicht ersichtlich, dass die Rückgabegarantie geringwertiger sein könnte. Dennoch werden die Dienstleistungen bei den reduzierten Brillen lediglich mit 13,-- Euro berechnet. Klickt man bei den reduzierten Brillen auf den Informations-Button zu den Dienstleistungen von Brille 24, so wird das Entgelt für die Dienstleistung aufgegliedert in 9,-- Euro für die Rückgabegarantie, 4,-- Euro für den Kundenservice und 5,-- Euro für den Brillenpass. Dass 9,--Euro, 4,-- Euro und 5,-- Euro in der Summe dabei nicht 13,-- Euro ergeben, scheint niemanden zu stören. Brillenkauf ohne Dienstleistungen Schließlich besteht auf der Internetseite von Brille 24 die Möglichkeit, nur die „nackte“ Korrektionsbrille unmittelbar in Hong Kong zu bestellen. Die Brille 24-Dienstleistungen in Höhe von 18,-- Euro muss der Kunde dann nicht bezahlen. Dafür aber Bankgebühren für die Überweisung nach Hong Kong von über 20,-- Euro. Auch wenn die Dienstleistungen von Brille 24 nicht wirklich 18,-- Euro wert sein sollten, kein wirklich gutes Geschäft.
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